Offener Brief an Jürgen Domian

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Photo by Das blaue Sofa

Hallo Jürgen Domian,
willkommen im Club! Genau wie Du habe auch ich eine lineare Modellvorstellung von Geschichte. Aber um die Sache möglichst schnell auf den Punkt zu bringen, sagen wir doch einfach etwas unscharf Dein Geschichtsmodell basiere auf dem Erfolg der europäischen Prinzipien der Aufklärung, des gesellschaftlichen Fortschritts und der Emanzipation des Individuums gegen Unterdrückung und Diskriminierung.
Mein Geschichtsmodell beruht „mikroskopisch“ eher auf den evolutionären Prinzipien des Überlebenskampfes der am besten aufgestellten Hochkulturen. Aber letztendlich hat dann im „Makroskopischen“ doch der christliche Heilsplan, wie ihn die Bibel lehrt das entscheidende letzte Wort. Wir bevorzugen also beide eine Art deterministische Vorstellung vom Lauf der Geschichte. Allerdings mit dem Unterschied, dass wir die Richtung der derzeitigen gesellschaftlichen Entwicklung oft diametral entgegengesetz bewerten.

Nun leben wir aber in einer pluralen Gesellschaft, in der es ausser uns beiden noch tausende andere Zeitgenossen und Communities mit den unterschiedlichsten Weltanschauungen gibt. Um unnötiges ideologisches Blutvergiessen zu vermeiden, haben die grossen Schiedsrichter der Postmoderne daher folgendes entschieden: Die absolute Wahrheit sei abzuschaffen und die verschiedenen gleichwertigen Subwahrheiten sollen nur noch in den entsprechenden Communities gelten.

Damit haben wir zwei Fundamentalisten – Du der progressive Fortschrittsfundi und ich der reaktionäre Rückschrittsfundi – natürlich so unsere Schwierigkeiten, denn wir mögen unsere Wahrheiten ja nicht einfach so ohne Not aufgeben.
Allerdings – wirst Du sicherlich zugeben – ist meine Minderheitensituation als konservativer Christ doch noch ein klitzekleines bisschen unangenehmer als Dein moralischer Mainstreamstatus. Gehöre ich [… und übrigens auch unser von Dir so hochgeschätzte gemeinsame Freund Martin Lohmann] doch zu der einzigen Gruppe dieser vielen Communities, deren Recht auf einen eigenen moralischen Standpunkt von praktisch allen anderen gesellschaftlich relevanten Kräften verneint wird. <- das ist sooo schade! 🙁

Aber sei’s drum! Wir beide werden mit gutem Beispiel voran gehen … wir werden obwohl wir inhaltlich nicht übereinstimmen gegenseitig unser Leben geben, damit der jeweils andere seine Position in Freiheit formulieren und von den Rednerkanzeln dieser Welt herausposaunen kann. <- Voltaire! 🙂
Wir werden sogar eine gewisse – sich allerdings in engen Grenzen haltende – Freude empfinden über die Steigerung der Diversität, welche wir durch unsere konträren Haltungen zur Homosexualität in unserem Meinungsbiotop bewirken. Dadurch verbessern wir die Handlungs- und Reaktionsfähigkeit unserer europäischen Hochkultur auf bisher noch unbekannte Herausforderungen der Zukunft. <- cool! 🙂
Wir beide werden Seite an Seite gegen das totalitäre Meinungsdiktat der politischen Korrektheit kämpfen. <- yeah!!! 🙂

Sollte ich dann doch ab und zu mal den arroganten Eurozentrismus der hierzulande geführten Gender- und Homo-Debatten kritisieren, beißt Du Dir bitte ausnahmsweise mal kurz auf die Zunge, anstatt mir in den Rücken zu fallen …
… im Gegenzug werde ich Dir in ein paar Jährchen dann treu zur Seite stehen:  Wenn dann nämlich Dein Sohn zu Deinem 70. Geburtstag unbedingt mit seiner neuen Sexpartnerin (einer marokkanischen Wildeselstute) in Deinem Schlafzimmer übernachten will und Deine 11jährige Enkelin als Höhepunkt für ihre eigene Geburtstagsparty unbedingt die Orgie mit dem berühmten pädophilen Popstar von Opilein finanziert bekommen will. Wenn sich dann auch noch beide wegen Deines Widerwillens tierisch über Deine moralische Rückständigkeit aufregen: „Ey wie peinlich! Du bist ja vollextremkrass noch auf dem Stand der Jahrtausendwende Opilein!“… und … „Nein mal im Ernst Papa: Ich glaube wir müssen wirklich mal über eine Zwangseinweisung in eine dieser vielen Brainwash-Units reden!“ … Dann bin ich da und hau dich da raus wie ein Marine! <- NO MAN LEFT BEHIND! 🙂

Hochachtugnsvoll
Dein Popconservative

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